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Warum du von Franchising-Systemen besser die Finger lassen solltest …

Ein Gastbeitrag des Street-Food-Gründungsratgebers Gerd Ackermann alias imbisskult.de. Eigentlich sind diese Franchising-Konzepte für die Streetfood- und Imbissbranche etwas Feines: Du erwirbst ein komplettes, marktfähiges Konzept, einen schönen bunten Verkaufsanhänger und bekommst die Waren bis an dein Geschäft geliefert. In der Businesskalkulation darfst du vor Vertragsabschluss sogar für die nächsten Jahre deine geschätzten Umsätze eintragen. Und du bekommst umfassenden Support durch den Franchisegeber und brauchst dich nur noch um dein Business zu kümmern. So jedenfalls in der Therorie.

In der Praxis schaut dies oftmals etwas anders aus. Es gibt einige erfolgreiche Systeme, die auch mehr oder weniger bekannt sind. Aber einmal Hand auf’s Herz: Glaubst du im Ernst, dass die Kunden nun zu dir in Scharen pilgern, weil du „Charly’s Currywurst-Konzept“ anbietest? Oder die  „XY-Pizza“? Das sind doch im Prinzip alles alte Hüte!

Meinst du wirklich mit diesen oftmals industriell vorgefertigten Lebensmittelprodukten Erfolg auf einem Streetfood-Markt hast, wo sich Dutzende andere Kollegen um die Gunst des Publikums kämpfen und sich für ihr Angebot wirklich etwas haben einfallen lassen, um ihre Produkte an den Mann zu bringen?

Individualität statt 0815
Nun kommst du mit deinem lauen Franchising-Konzept und glaubst, dass du mit deinem Pizza-Tomatenbelag, „garantiert aus Italien“, deiner „Currrywurst-Sauce mit einem Schuss Spanischen Sherry“ oder mit deinem Döner, der zu 100 Prozent aus „regionalem Putenfleisch“ besteht, einen Hype in der Streetfood-Branche auslöst?

Weit gefehlt, denn bei solchen 0815-Geschäftsideen ist überhaupt nichts Innovatives dran, die gab’s und gibt es schon ewig. Wenn du erfolgreich verkaufen möchtest, ist Kreativität gefordert!

Bei Beratungen wird oft festgestellt, dass potentielle Franchisenehmer ein spezielles Klientel sind: Sie sind meistens branchenfremd. Sie wollen sich in ein gemachtes Nest setzen und sind bereit, dafür auch kräftig zu zahlen. Sie sind vom Unternehmerischen wenig risikobereit, sondern wollen lieber ein ausgelutschtes Franchising-Konzept mit „Vollkasko-Versicherung“, wie sie irrtümlich meinen. Oft sind sie zu bequem, selber zu recherchieren und sich alleine in die Materie einzuarbeiten.

Dabei weiß jeder, dass jeder Franchisenehmer in ein festes Korsett gepresst werde, wo er keine unternehmerischen Entscheidungen für seine Angebote mehr treffen kann. Im weitesten Sinn ist er ein Knecht des Vertragspartners, der alle Vertragspunkte zu erfüllen hat und pünktlich zum Monatsende die oft hohen Franchisegebühren bezahlen muss, auch wenn er dies aufgrund seiner miserablen Umsätze im Prinzip gar nicht könnte.

Dies interessiert den Franchisegeber jedoch dann nicht mehr und du wirst vorab vertraglich so gebunden, dass du ganz sicher freiwillig deinen Tribut entrichtest. Zumal wenn das Konzept einmal out ist, dann kommst du schwer aus deinem Vertrag raus. Reich wirst du mit diesen nicht sehr originellen gastronomischen Konzepten mit Sicherheit nicht und ein 14-Stunden Tag bleibt dir jedoch mit Sicherheit.

Schaffe dir dein eigenes Bild

Mach’s dir doch einfacher, wenn du dich schon selbstständig machen möchtest. Gehe in Ruhe auf Foodtruck- und Streetfoodveranstaltungen und schaue dir die verschiedenen Konzepte der Betreiber an. Wenn dir eine Idee besonders gefällt, dann übernimm sie. Du brauchst sie ja nicht eins zu eins kopieren. Lass dich von der Vielfalt der Speisenangebote und der Designs der Verkaufswägen oder Foodtrucks inspirieren und entwickle langsam dein eigenes Konzept. Dies wird dich längerfristig gesehen nur einen Bruchteil dessen als eine „ gefrancheiste Geschäftsidee“ kosten.